Meine Tipps zur südlichen Kaffeekultur

Meine Tipps zur südlichen Kaffeekultur

Oktober 14, 2026 0 Von ad_Peter

Als ich noch in der Deutschschweiz wohnte und arbeitete, gehörte auch ein starker Espresso ohne Zucker und Milch zur Tagesordnung. Nun lebe ich seit ein paar Jahren im Süden, unweit der Grenze zu Italien. Da habe ich die echte Kaffeekultur Italiens kennen gelernt. Eine komplett andere Welt.

Guter Kaffee gehört zum italienischen Lebensgefühl wie Pasta und guter Rotwein. Seit hunderten Jahren hat sich in Italien eine Kaffeekultur entwickelt, die ihresgleichen sucht. Für Euch habe ich hier die wichtigsten Gewohnheiten italienischer und auch die im südlichsten Tessin aufgeschrieben:

1. Wer „caffè“ sagt, meint Espresso
Wer in Italien „caffè“ bestellt, erhält: Espresso. Falls Du einen Doppelten möchtest, frage nach einem „caffè doppio“. Falls Du Lust auf eine grosse Tasse Kaffee hast, bestelle entweder einen „caffè americano“ (Espresso mit heissem Wasser) oder einen « „caffè-lungo» der doppelten Wassermenge zubereiteter Espresso.

2. Kaffee trinken, niemals aus Pappbecher
Kaffee aus Kartonbechern? Nur im allerschlimmsten Notfall! Italiener trinken ihren Espresso aus Porzellan- oder Keramiktassen, manche Kaffeespezialitäten wie Latte macchiato werden im Glas serviert. Denn Kaffeegenuss geht für sie mit einem gewissen Stil einher. Papp- oder Plastikbecher sind da fast eine Todsünde. Typisch Italien eben.

3. Wer es eilig hat, trinkt Kaffee im Stehen
Die Angewohnheit, Kaffee auf der Strasse zu trinken, liegt Italienern genauso fern wie Pappbecher. Hase Du es eilig und Lust auf Kaffee, trinke in einer Bar schnell einen Espresso im Stehen. Daher sind die Bars und Cafés auch selten überfüllt.

4. Wer im Stehen „Espresso“ trinkt, zahlt weniger
Was kostet Kaffee in Italien? Das hängt davon ab, ob Du deinen „Espresso“ an der Theke oder am Tisch trinkst. Für den schnellen Genuss an der Bar gelten gesetzlich festgelegte Höchstpreise. Egal, ob Du in Mailand befindest oder in einem kleinen toskanischen Bergdorf, Du zahlst maximal 1.50 Euro. Entscheidest Du dich allerdings für einen Sitzplatz, kommt ein Servicezuschlag hinzu.

5. Wenn Besuch kommt, auch im Büro, biete Kaffee an – immer! 
„Caffè?“ Egal, ob zu Hause oder im Büro: Dem Besucher einen Kaffee anzubieten, ist in Italien die erste und einfachste Geste der Gastfreundschaft. Denn ein gemeinsamer Plausch bei einer Tasse schafft eine vertraute Atmosphäre, die für erfolgreiche persönliche und berufliche Beziehun
gen wichtig ist.

6. Nur zum Frühstück einen Cappuccino
Cappuccino, Latte macchiato und Co: Kaffeespezialitäten mit Milch trinken die Italiener meist zum Frühstück oder am Vormittag. Sie gelten als sättigende Getränke. Besonders verpönt ist es übrigens, sich direkt nach dem Essen einen Cappuccino zu genehmigen. „Espresso“ hingegen passt immer. Sowohl nach den Mahlzeiten als auch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ein Kompromiss, für alle, die nicht auf ein wenig Milch im Kaffee verzichten möchten, ist der «macchiato».

7. Wer Kaffee trinkt, darf andere warten lassen
Kaffee hat in Italien immer Vorrang. Egal, wie bedeutend eine Sache ist. Wenn jemand sagt, dass er einen Kaffee braucht, ist das in jedem Fall wichtiger Grund! Gedulde dich also mit deinem Anliegen, bis das Gegenüber seinen Kaffee getrunken hat. Das typische Verhalten der Deutschschweizer sich ungeduldig Vorzudrängen oder sich zum längeren Warten negativ zu äussern, erntet hier im Süden verachtende Blicke.«Zücchin» eben.


Fazit
Wer sich der südlichen und im speziellen der italienischen Kultur annähern möchte, tut gut daran die obigen Tipps mit einem Lächeln anzunehmen.
Achtung: Wenn Dir in Italien an der Bar oder gar an der Autobahnsraststätte eine Kaffee-Marke besonders gut schmeckt, heisst es nicht, dass die selbe Marke im Supermarkt gleich gut ist. Alle italienischen Marken bieten zwei Qualitäten an. Einmal für die Bars, Ristorante mit Top Röstung und Bohnen (Marketing). Dann Massenware mit verschiedener Herkunft der Bohnen für den Supermarkt und Grossverteiler eine Röstung die für alle Menschen
„per tutti“ schmecken soll.

Autor:
Peter Marugg