Mach deinen alten Karren wieder fahrbar
Wenn das schwere und dunkle Unwetter des Lebens aufgezogen ist und ein Mensch kein klares Ziel vor Augen hat, wird es schwer neue Strassen zu fahren. Dann reicht es fast nie, einfach nur durchzuhalten. Dann braucht es eine innere Richtung. Eine Frage, die grösser ist als der aktuelle Druck: Wer will ich sein, was will ich zukünftig tun, wenn dieses Weltuntergangsgewitter vorüber ist?
Klapprige alte Autos geraten sehr oft angeschlagen in ein heftiges Gewitter. Das Cabrioverdeck hat Risse und lässt das Regenwasser in Strömen rein, die Motorhaube springt plötzlich auf, der Schiebenwischer mag nicht mehr die Frontscheibe klar zu bekommen und der alte Motor beginnt auch noch zu stottern.
Bei Menschen ist es ähnlich. Manche tragen alte Verletzungen, ungelöste Belastungen, Erschöpfung oder den Verlust innerer Orientierung bereits in sich, bevor das nächste schwere Gewitter kommt.
Gerade dann wird die vor sich liegende Fahrt entscheidend sein. Ein Mensch muss seinen alten Karren wieder fahrbar machen. Er muss prüfen, was trägt, was instandgesetzt werden muss und welche Richtung wirklich seine Eigene ist.
Körper, Geist, Beziehungen, materielle Ordnung und spirituelle Ausrichtung werden wieder zu tragenden Säulen. Aus dieser Ordnung entsteht Fahrt. Aus Fahrt entsteht Steuerbarkeit. Aus Steuerbarkeit entsteht wieder Vertrauen in den eigenen Weg.
Und irgendwann wird dein Blick und dein Puls ruhiger. Dann geht es weniger darum, ständig nach anderen Menschen und alten Fahrzeugen Ausschau zu halten. Weniger darum, gesehen zu werden, Anerkennung zu bekommen oder sich an anderen Fahrtrichtungen und Routen zu orientieren. Dann geht es darum, das eigene Fahrzeug sauber und sicher zu fahren, bei sich zu bleiben und die Reise anzutreten, die dem eigenen Leben entspricht.
Auto
Peter Marugg
